Einen Boom bei Videokonferenzen und weniger Verkehr – aus Sicht von Umweltministerin Schulze gibt die Corona-Krise einen Ausblick auf die Lebens- und Arbeitswelt von morgen. Allerdings hat der „Digitalisierungsschub“ auch seine Schattenseiten.

Es war nicht alles schlecht – so wird man sich vielleicht in Zukunft an die Corona-Krise zurückerinnern. Jedenfalls, wenn man der Sichtweise von Bundesumweltministerin Svenja Schulze folgen möchte. Videokonferenz statt Geschäftsreise, Homeoffice statt Pendeln – laut der SPD-Politikerin können Bürger und Unternehmen aus der Corona-Krise manches lernen. Und die vorangeschrittene Digitalisierung in der Arbeitswelt und im Privatleben könnten zugleich zu einer dauerhaften Entlastung der Umwelt führen.

Zwar wolle niemand, „dass das Leben auf Dauer so bleibt, wie es in der Pandemie war“, sagte Schulze bei der Vorstellung einer Studie zu Auswirkungen der Corona-Krise auf die Umwelt. „Aber manche neue Routine sollten wir uns erhalten, weil es Umwelt und Lebensqualität dient.“

Deutschland habe während des Corona-Lockdowns „einen echten Digitalisierungsschub“ erlebt, sagte Schulze. „Wir erleben in diesen Monaten der Pandemie einen Bruch mit vielen Routinen, die wir vor Corona hatten“, so die Umweltministerin. Viele reisten weniger, verbringen mehr Zeit in Videokonferenzen oder kaufen häufiger online ein.

Personenverkehr geht deutlich zurück

Der Personenverkehr ist durch die Corona-bedingten Einschränkungen deutlich zurückgegangen, wie es in einer Zwischenbilanz des Wuppertal Instituts sowie der Wirtschaftsprüferfirma Ernst & Young heißt. Ein Viertel aller Arbeitnehmer arbeitete demnach zeitweise im Homeoffice.

In einer Umfrage erwarten jeweils rund ein Drittel der Befragten, dass Meetings auch in den kommenden Jahren durch Videokonferenzen ersetzt würden und dass weniger berufliche Reisen stattfinden würden. Die Studienautoren gehen davon aus, dass sich der gesamte Personenverkehr um bis zu acht Prozent reduzieren lasse, wenn Homeoffice und virtuelle Arbeitsformen gefördert werden.

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist das Wachstum beim Online-Shopping. Umfragen zeigen zwar ein erhöhtes Interesse an regionalen Produkten. Allerdings fehle hier noch häufig der Zugang. Die Studienautoren sehen daher ein Potenzial in der Förderung regionaler digitaler Plattformen.

Analog zum Rückgang des Verkehrs ist das Datenvolumen während der Corona-Zeit um rund zehn Prozent angestiegen – getrieben vor allem durch Streaming und Videokonferenzen. Ohne flankierende Maßnahmen dürfte dieser Anstieg auch zu einem höheren Energieverbrauch führen, warnen die Autoren der Studie.

Videokonferenzen mehr als verdoppelt

Der Energieverbrauch des Internets habe in den vergangenen Jahren konstant zugenommen, sagte Holger Berg vom Wuppertal Institut. Eine Videokonferenz sei aber immer noch günstiger, als wenn fünf oder sechs mit dem Auto zu einem Treffen fahren. Bei der Videokonferenz gab es durch die Corona-Krise laut den Studienautoren einen Anstieg um 120 Prozent.

Schulze verwies in diesem Zusammenhang auf das von ihr vorgeschlagene Investitionsprogramm „Green Cloud“. Ziel ist der Ausbau von energieeffizienten und besonders klimafreundlichen Cloud-Infrastrukturen für Verwaltungen, den Bildungsbereich und Unternehmen.

Quelle: ntv.de, kst/AFP

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