Beim Thema Altreifen hat jeder sofort die Bilder illegaler Deponien im Kopf. Doch es geht auch anders. Die Initiative ZARE und das Netzwerk AZuR kämpfen dafür, nur noch zertifizierte Entsorger zuzulassen und suchen nach einträglichen Wegen der Verwertung.

In Deutschland fallen jedes Jahr rund 600.000 Tonnen Altreifen an. Bislang wurde ein Großteil der thermischen Verwertung in Zementwerken zugeführt. Doch mit deren Umstellung auf umweltfreundlichere Heiztechniken standen die Entsorger vor einem Problem. Gleichzeitig ist die Zahl der Runderneuerungen rückläufig. Aus der Suche nach Lösungen entstand 2020, unter der Schirmherrschaft des wdk (Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie), das Netzwerk AZuR, die Allianz Zukunft Reifen, mit dem Ziel, alle möglichen Verwertungsansätze zusammenzubringen, mit neuen Modellen der Zusammenarbeit und der Entwicklung neuer Absatzszenarien und Absatzwege durch die Vernetzung der Altreifen-Recyclingbranche mit Wissenschaft und Forschung.

Entsorgung nur mit Zertifikat

Christina Guth, Vertreterin von ZARE, beim Entsorgungsunternehmen Reifen OKA im nordhessischen Dornburg:

„Wir wollen dem Thema Altreifen eine Zukunft geben. Es gibt auf absehbare Zeit keine Alternative zum Reifen wie er heute ist“,

erklärt sie. Das erklärte Ziel von ZARE und AZuR: Nur noch zertifizierte Unternehmen sollen Altreifen entsorgen dürfen.

„Zertifizierte Entsorger stehen dafür, Reifen einzusammeln, gewissenhaft zu sortieren und der bestmöglichen Wiederverwertung zuzuführen, während unseriöse Unternehmen nur am schnellen Geld ohne Rücksicht auf die Umwelt interessiert sind“,

so Guth. Im besten Fall landen deren Altreifen in der thermischen Verwertung, schlimmstenfalls im Wald.

Wertvolles Gut

Dabei gibt es viele nachhaltige Wege der Wiederverwertung. Bei den Bestandteilen des Reifens handelt es sich um wertvolle Sekundär-Rohstoffe, die durch fachgerechte Entsorgung wieder in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt und weiterverwendet werden können. 28 Prozent der Lkw-Reifen werden runderneuert. „Hier wollen wir auf 40 Prozent kommen. Außerdem wollen wir verstärkt die Runderneuerung von Pkw-Reifen fördern“, so Guth. Doch es gibt weit mehr Einsatzbereiche, vor allem für Gummigranulat oder Gummimehl. Eine weitere Möglichkeit ist der Export gebrauchter Reifen. Dabei nehmen die Anfragen, sowohl von Betrieben, die Altreifen zur Entsorgung geben wollen, als auch von Gebrauchtreifeninteressenten, die Reifen suchen, kontinuierlich zu.

Exakte Buchführung

Jeder Reifen, der illegal entsorgt wird, ist für die Wiederverwertung verloren. Kümmern sich jedoch zertifizierte Entsorger wie OKA darum, bleiben nur rund 15 Prozent der Altreifen übrig und landen in der thermischen Entsorgung. Bei OKA werden deshalb alle Reifen nach ihrem Zustand sortiert, geprüft und vor Ort als Gebrauchtreifen angeboten oder für den Export in Seecontainer verladen. Nur ein kleiner Rest kommt in den Schredder. Damit dies so bleibt, wird der Betrieb vom TÜV Hessen, der auch die Zertifizierung durchführte, jährlich kontrolliert, sowohl die Sortierung der Reifen als auch die Buchführung.

„Jeder Übernahmeschein wird mit Menge und Typen der Reifen erfasst. In einer Tabelle wird eingetragen, wieviel Reifen wir annehmen und welche wie verwertet werden“,

erklärt Karla Noah von OKA.

Korrekte Entsorgung politisch verankern

Das entspricht genau den Zielen die ZARE und AZuR verfolgen: „Wir wollen auf politischer Ebene erreichen, dass ohne Übernahmeschein eine Altreifenentsorgung nicht mehr möglich ist. Damit wüssten wir auch genau, wie viele Altreifen unterwegs sind und wie sie wirtschaftlich verwertet werden können. Die zertifizierten Betriebe machen es vor, wie es für alle funktionieren sollte“, sagt Christina Guth abschließend und gibt noch eine Empfehlung an die Werkstätten:

„Achten Sie zum einen darauf, die Altreifen nur an zertifizierte Entsorger abzugeben, zum anderen aber auch die Reifen möglichst schonend und ohne Beschädigung zu demontieren, weil sonst eine Runderneuerung nicht mehr möglich ist“.

QUELLE: AMupdate

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