Schlechte Nachrichten für den Kölner Autoteilehändler Hess: Wie der Insolvenzverwalter mitteilt, wird die Unternehmensgruppe wohl nicht im Ganzen erhalten bleiben können. Die Suche nach einem Investor brachte nicht den gewünschten Erfolg.

Nach mehrjährigen Sanierungbemühungen war die Hess-Gruppe Ende Februar dieses Jahres gezwungen, den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. Davon betroffen waren insgesamt 25 Standorte in Niedersachen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und dem Saarland sowie insgesamt rund 1.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seitdem hat sich die Geschäftsführung des Kölner Autoteilehändlers gemeinsam mit dem zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellten Kölner Rechtsanwalt Dr. Christoph Niering von der Kanzlei Niering Stock Tömp um die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes und die Suche nach Investoren für eine dauerhafte Fortführung bemüht – in Bezug auf eine Gesamtlösung für die Unternehmensgruppe leider ohne  Erfolg, wie der Insolvenzverwalter jetzt mitteilt.

„In dem hart umkämpften Autoteilemarkt herrscht in Deutschland schon seit Langem ein Verdrängungswettbewerb und damit ein intensiver Preiskampf, in dem die Hess-Gruppe bedauerlicherweise nicht hat bestehen können“, erläutert Dr. Christoph Niering. In Absprache mit der Geschäftsführung und dem vorläufigen Gläubigerausschuss sei unmittelbar nach dem Insolvenzantrag ein national und international ausgerichteter Investorenprozess in Gang gesetzt worden. Dieser sei jedoch sehr frühzeitig auch von den negativen Auswirkungen im europäischen Autoteilehandel durch den Ukraine-Krieg geprägt gewesen. „Zahlreiche Interessenten, gerade aus dem europäischen Ausland, hätten ihre Investitions- und Expansionspläne daraufhin zurückgestellt und die Verhandlungen über die Hess-Gruppe nicht weiter verfolgt“, heißt es in dem Schreiben weiter.

14 von 25 Standorten werden wohl übernommen

Von den 25 Standorten sollen nach derzeitigem Stand der Verhandlungen voraussichtlich 14 Standorte von Mitbewerbern übernommen werden, was rund 300 Arbeitsplätze sichern könnte. Nach Auskunft des Insolvenzverwalters würden derzeit aber noch weitere Gespräche mit Investoren über die Übernahme einzelner Standorte sowie des Hauptsitzes in Köln geführt. Die Mitarbeitenden, Kunden und Lieferanten seien am heutigen Montag darüber informiert worden, dass es voraussichtlich keine Fortführungslösung für die gesamte Hess-Unternehmensgruppe gebe und somit der Geschäftsbetrieb nicht weitergeführt werden könne.

Positive Nachrichten gibt es einzig von Autoteile Jakobs aus Idar-Oberstein zu vermelden. Das Anfang 2017 von der Hess-Gruppe übernommene Unternehmen könnte nach Angaben des Insolvenzverwalsters schon in Kürze von einem Investor übernommen werden. Details dazu lesen Sie in unserem separaten Artikel.

Über die Hess-Gruppe

Die Hess-Gruppe geht zurück auf das 1929 von Hans Hess gegründete Einzelunternehmen Hans Hess Autoteile. In der Spitze erreichte die Unternehmensgruppe einen Jahresumsatz von rund € 209 Mio. und beschäftigte bis zu 1.500 Arbeitnehmer. Durch Zukäufe in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist die Unternehmensgruppe in den letzten Jahren sehr schnell gewachsen, was zu nicht unerheblichen Konsolidierungsproblemen geführt hat. Seit 2018 befindet sich die Gruppe in einer intensiven Sanierungsphase, welche auch über den am 21.02.2022 beim Amtsgericht Köln gestellten Insolvenzantrag nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Mit Zustimmung des vorläufigen Gläubigerausschusses hat das Amtsgericht Köln Herrn Rechtsanwalt Dr. Christoph Niering zum vorläufigen Insolvenzverwalter und mit Wirkung zum 01.05.2022 zum Insolvenzverwalter bestellt. Gemeinsam mit der Geschäftsführung und in Absprache mit dem vorläufigen Gläubigerausschuss wurde ein M&A-Prozess eingeleitet und mehr als 70 nationale und internationale Investoren angesprochen.

QUELLE: AMZ

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